02.2026

Pilotprojekt der Iserlohner Werkstätten setzt starkes Zeichen für gelebte Inklusion: Bundesweit erste Betriebliche Ersthelfer:innen mit Handicap

Iserlohn. Die Iserlohner Werkstätten (ISWE), Tochtergesellschaft der Diakonie Mark-Ruhr, gehen neue Wege in Sachen Inklusion und Arbeitssicherheit: Im Rahmen eines Pilotprojekts werden hier bundesweit erstmals Menschen mit Handicap zu betrieblichen Ersthelfer:innen ausgebildet – mit dem Ziel der offiziellen Anerkennung durch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Als inklusiver Arbeitgeber ist es für die Iserlohner Werkstätten selbstverständlich, allen Menschen, die im Unternehmen tätig sind, Wege zu Bildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zu eröffnen. Auch der Bereich der Arbeitssicherheit hat dabei höchste Priorität. Die regelmäßige Schulung betrieblicher Ersthelfer:innen gehört seit jeher zum Standard. Doch genau hier zeigte sich bislang eine Hürde: Erste-Hilfe-Kurse für Menschen mit Behinderung – auch in leichter Sprache – existieren bereits. Die Aus- und Fortbildung zur bzw. zum betrieblichen Ersthelfer:in wird jedoch aktuell seitens der Berufsgenossenschaften nur anerkannt, wenn sie von Menschen ohne Behinderung absolviert wurde.

 

Im Zeichen echter Inklusion sollte es jedoch deutlich mehr Menschen möglich sein, eine anerkannte Ersthelfer-Ausbildung zu absolvieren. Gemeinsam mit Malteser e.V. haben sich die Iserlohner Werkstätten daher auf den Weg gemacht, ein passendes und barrierearmes Ausbildungskonzept zu entwickeln. Ziel ist eine fachlich vollwertige, zugleich aber didaktisch angepasste Qualifizierung, die den unterschiedlichen Bedarfen der Teilnehmenden gerecht wird.

 

Die BGW zeigt großes Interesse daran, dieses innovative Vorhaben aktiv zu begleiten. Björn Kloock, Gesamtbereich Präventionsdienste Hauptverwaltung BGW, bringt sich als Mitideengeber sowie als Experte zum Thema Abrechnung der Erste-Hilfe-Aus- und Fortbildung fachlich in das Projekt ein. Gemeinsam mit den Iserlohner Werkstätten und den Maltesern sollen im Rahmen des Pilotprojekts „Ausbildung von Menschen mit Handicap zu Betrieblichen Ersthelfer:innen“ Präzedenzkurse durchgeführt werden – mit der Perspektive, künftig bundesweit vergleichbare Angebote zu ermöglichen.

 

Am 11. und 12. Februar 2026 fand daher nun an einem Standort der Iserlohner Werkstätten der erste Präzedenzkurs statt. Vierzehn Teilnehmende aus dem Berufsbildungsbereich erlernten wichtige theoretische und praktische Grundlagen der Ersten Hilfe. Dazu gehörten unter anderem:

 

  • die Rettungskette
  • die stabile Seitenlage
  • Reanimationstechniken
  • Notrufabsetzung und Absicherung von Notfallsituationen
     

 

Die Schulung wurde durch die Malteser durchgeführt. Auch Inge Dembowski von der BGW (Präventionsdienste, Bezirksstelle Bochum) nahm an beiden Tagen teil und begleitete das Pilotprojekt persönlich. Claudia Salterberg, Geschäftsführerin der Iserlohner Werkstätten, betont die Bedeutung des Projekts: „Inklusion bedeutet für uns nicht nur Teilhabe am Arbeitsleben, sondern auch Zugang zu Verantwortung und Qualifikation. Es darf nicht sein, dass Menschen mit Handicap zwar Erste Hilfe leisten können, ihre Ausbildung aber nicht offiziell anerkannt wird. Mit diesem Pilotprojekt setzen wir ein starkes Zeichen: Kompetenz kennt keine Behinderung. Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit der BGW neue Wege zu gehen und bundesweit Maßstäbe für inklusive Arbeitssicherheit zu setzen.“

 

Die Iserlohner Werkstätten danken den Maltesern e.V. herzlich für die engagierte Durchführung des Kurses sowie Inge Dembowski von der BGW für die konstruktive Begleitung dieser richtungsweisenden Initiative. Mit diesem Projekt leisten die Iserlohner Werkstätten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung inklusiver Bildungsstandards – und machen deutlich: Arbeitssicherheit ist für alle da.



Bildzeile: Damon Haser bei der praktischen Reanimationsübung beim bundesweit ersten Präzedenzkurs zur Ausbildung betrieblicher Ersthelfer:innen mit Handicap.