06.2026

Themenabend zur Wanderausstellung „Echt mein Recht!“ setzt Zeichen für Selbstbestimmung und Gewaltschutz

Iserlohn. Rund 50 Gäste, darunter Fachkräfte aus der Eingliederungshilfe und sozialen Einrichtungen sowie Klient:innen, haben am Donnerstagabend den Themenabend zur Wanderausstellung „Echt mein Recht!“ im Karree 38 besucht. Die Veranstaltung wurde von den Iserlohner Werkstätten (ISWE) sowie der Diakonie Mark-Ruhr Teilhabe und Wohnen (DMR-TuW) organisiert und widmete sich den Themen Selbstbestimmung, sexuelle Selbstbestimmung und Schutz vor sexualisierter Gewalt von Men-schen mit Lernschwierigkeiten und geistigen Beeinträchtigungen.

Nach der Begrüßung durch Moderatorin Melanie vom Hofe eröffnete Matthias Börner, theologischer Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, den Abend. Er machte deutlich, dass der Schutz vor sexualisierter Gewalt eine Verantwortung aller Mitarbeitenden der Diakonie Mark-Ruhr ist und weit über formale Schutzkonzepte hinausgeht. Prävention müsse im Arbeitsalltag gelebt werden und sei Ausdruck einer gemeinsamen Haltung. Börner verwies zudem auf die umfangreichen unternehmensinternen Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, bspw. auf die verpflichtenden Sensibilisierungsschulungen. Darüber hinaus steht die Diakonie Mark-Ruhr in der Rechtsnachfolge auch für Versäumnisse ein und geht Verstößen gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht aus der Vergangenheit nach, wie zum Beispiel durch den jüngst gestarteten öffentlichen Aufruf der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen.

 

Diese Schritte machen deutlich, dass Prävention und Aufarbeitung untrennbar zusammengehören. Der Themenabend zur Ausstellung schließt nach seinen Worten eine wichtige Lücke in der Präventionsarbeit, indem er den Fokus auf den Schutz von Menschen mit Lernschwierigkeiten richtet. Gleichzeitig dankte Börner den Iserlohner Werkstätten sowie der Diakonie Mark-Ruhr Teilhabe und Wohnen dafür, die Ausstellung nach Iserlohn geholt zu haben.

 

Im Anschluss stellte Klaus Tykwer, Leiter der Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (FUVsS) der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Arbeit der Fachstelle vor. Er bescheinigte der Diakonie Mark-Ruhr eine engagierte und wirksame Präventionsarbeit im Themenfeld und beschrieb den Auftrag seiner Fachstelle mit den Worten: „Schutz wirksam werden lassen.“ Im kontinuierlichen Austausch mit den diakonischen Werken in Rheinland, Westfalen und Lippe unterstütze die Fachstelle Einrichtungen bei Prävention, Beratung und der Aufarbeitung von Verdachtsfällen. Ihr Leitgedanke laute: „Orientierung schaffen und Gegenwart stärken – dafür steht unsere Fachstelle, jeden Tag.“

 

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der Beitrag der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch. Vertreten wurde sie durch Prof. Dr. Julia Gebrande und Gesine Ickert. Gebrande machte deutlich, dass Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko haben, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden. Gleichzeitig betonte sie: „Auch Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Sexualität und Lust.“ Gewalt entstehe dort, wo Macht missbraucht werde – „Macht ist Grundlage von Gewalt“, so Gebrande. Sie erläuterte die Arbeit der Kommission, die Einrichtungen bei der Aufarbeitung von Grenzverletzungen unterstützt und wissenschaftlich begleitet. Daran schließt die sogenannte Anhörung an, die Gesine Ickert vorstellte. In vertraulichen Gesprächen mit Betroffenen, Angehörigen, Zeitzeug:innen, Lehrkräften oder Betreuungspersonen werden Erfahrungen dokumentiert und Muster sexualisierter Gewalt sichtbar gemacht. In den vergangenen zehn Jahren führte die Kommission rund 2.250 vertrauliche Anhörungen, erhielt 865 schriftliche Berichte und veranstaltete sechs öffentliche Hearings. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen unter anderem in die Weiterentwicklung von Unterstützungsangeboten für Menschen mit Lernschwierigkeiten ein. Prof. Dr. Julia Gebrande fasste den Auftrag der Kommission zusammen: „Wir übernehmen Zeugenschaft für das, was passiert ist.“

 

Nach einer Pause referierte Holger Erb, Diplom-Sozialpädagoge der Pro Familia Beratungsstelle Märkischer Kreis, zum Thema „Sexuelle Rechte – was bedeutet das für uns?“. Anhand von Schulungsmaterialien in Leichter Sprache zeigte er, wie sexuelle Bildung verständlich und zielgruppengerecht vermittelt werden kann. Er unterstrich die Bedeutung des Rechts auf Information und Sexualaufklärung für Menschen mit Lernschwierigkeiten als wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

 

Zum Abschluss nutzten zahlreiche Besucher:innen die Gelegenheit, die Ausstellung „Echt mein Recht!“ zu besuchen und mit den Referierenden sowie den Veranstalter:innen ins Gespräch zu kommen.

 

Moderatorin Melanie vom Hofe zog zum Ende der Veranstaltung ein positives Fazit. Der Ausstellungsmonat und der Themenabend haben das Thema Schutz vor sexualisierter Gewalt und sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Lernschwierigkeiten sichtbar in den Fokus gerückt. Die Veranstalter hoffen, damit einen nachhaltigen Präventionsimpuls gesetzt zu haben und die Präventionsarbeit in diesem wichtigen Themenfeld weiter zu verdichten.

 

 

Bildzeile: Die Akteur:innen hinter dem Themenabend zur Wanderausstellung „Echt mein Recht“ (v.l.n.r.): Gesine Ickert und Prof. Dr. Julia Gebrande (Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch),  Janna Remmel (DMR-TuW), Laura Klocke (ISWE), Sarah Glodczey (1. Vorsitzende Gesamtwerkstattrat ISWE), Melanie vom Hofe (ISWE), Yvonne Wolf (DMR-TuW), Holger Erb (Pro Familia BS MK), Matthias Börner (Diakonie Mark-Ruhr), Carsten Voswinkel (Diakonie Mark-Ruhr), Claudia Salterberg (ISWE), Christian Müller (DMR-TuW), Klaus Tykwer (Diakonie RWL).